16. Feb, 2014

Lieber Herr Meisch

Lieber Herr Meisch

Liebe Conseillers, Staatssekretäre Staatsbedienteste und Entscheidungsfinder

 

Das Fremd-Sprachenproblem begann bereits für sämtliche Luxemburger Grundschüler in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts. Niemand von uns verstand damals, warum wir bereits mit 7Jahren eine Sprache lernen mussten, die unserem deutschen Dialekt so diametral entgegenstand. Damals konnten wir unser tägliches Brot noch auf Luxemburgisch kaufen. Aber es waren ja die teuflischen Deutschen, die unser Land bereits zweimal gequält hatten, deren Sprache wir jetzt unbedingt ablehnen mussten, auch wenn es die Hochsprache unseres Dialekts ist, wie Kölsch, Hessisch, Bayerisch, Schwäbisch oder Sächsisch. (Auch "Österreichisch"  besteht aus einem Sammelsurium an verschiedenen germanophonen Dialekten, deren Hochsprache Deutsch ist). Also quälten wir jetzt unsere eigenen Kinder, eine uns völlig fremde Sprache zu erlernen, die wir selber kaum beherrschten, um dann einige 12Jahre später fürs Abitur dieselben Schulbücher durchackern zu können, wie die Muttersprachler des Französischen, mit durchschnittlich besseren grammatikalischen Resultaten als diese.

Dazu kam Latein und Englisch und natürlich, horribile dictu, Deutsch. Und manchmal freiwillig noch Griechisch, Russisch, Spanisch oder Italienisch. Hat uns das überfordert? Wir hatten auch meistens Eltern, die des Französischen nicht wirklich mächtig waren. Das was jetzt versucht wird ist:

1) Konsens auf niedrigstem Niveau. (Konsens mit wem eigentlich?)

2) die völlige Aufgabe eines ernsthaften Integrationsbemühen. Luxemburgisch würde dann weder gelernt noch je gesprochen werden.

3) die völlige Deklassierung unserer autochtonen Bevölkerung.

4) die Wiederbelebung der zweifelhaften Ansichten eines Noppeney zu Beginn des letzten Jahrhunderts, der zu Hause in der Familie Französisch parlierte und Luxemburgisch nur mit dem Personal. Mit dem heimlichen Wunsch eines "Anschlusses" an die frankophone Welt. Ohne verstanden zu haben, dass die französischen Muttersprachler uns dumme Luxemburger gar nicht wollen und nie gewollt haben. Von Pluralismus weit entfernt. Wunschdenken einer bornierten „Oberschicht"?

 

Wir sind Luxemburger, die in einem Land leben, das Luxemburg heisst und wir sprechen originär eine deutsche Mundart, die Luxemburgisch heisst und die über die Jahre mit vielen "verluxemburgischten" französischen Ausdrücken versetzt wurde. Wie das Saarländer- ("Éïch will am Korridor nach de Plaffang stréiche") und das Trierer Platt. 

Es ist definitiv nicht an uns Luxemburgern, uns den Immigranten und "Frontaliers" anzupassen, sondern an diesen, Respekt vor dem Land zu zeigen, in dem sie leben, arbeiten und ihr Geld verdienen. Kommt es so weit, dass wir uns entschuldigen müssen dafür, "echte" Luxemburger zu sein? Sollen wir unsere Fahne quer herum hissen?

Immigranten haben zu jeden Zeiten die Länder bereichert, in die sie, aus welchen Schicksalsgründen auch immer, gezogen sind. Aber stets nur, wenn sie sich ihrem neuen "Heimatland" verbunden gefühlt haben und in dieses " hinein geschmolzen" sind, mit einem neuen Nationalbewusstsein und Liebe zu dem Land und ihren Bürgern. Wie hiess schon mehr der vorige französische Präsident? Sarkozy, sehr richtig! Er IST Franzose und spricht und lebt auch so!

 

Verschieden-sprachige (= französische) Scolarisierung wäre höchstens geeignet für Diplomatenkinder, die jeweils nur eine begrenzte Zeit in ihren "Gastländern" leben.

Verschieden-sprachige Scolarisierung ist das Ende eines "luxemburgischen" "Luxembourg"!

Sind denn Immigranten-Kinder dümmer oder fauler als unsere luxemburgischen Kinder, die die Extreme von germanophonem und frankophonem Lernen bereits im Alter von sieben Jahre erfahren müssen. Für uns Luxemburger ist Französisch nicht weniger schwer, als das Deutsche für Frankophone. Französische Krankenschwestern weigern sich meist, Luxemburgisch zu lernen. Die meisten deutschen Krankenschwestern in unserem Land sprechen Französisch. Das zu deuten, überlasse ich den Lesern dieser Zeilen.

 

Meine luxemburgischen Vorfahren reichen bis in die Steinzeit oder so, und ich spreche fünf Sprachen und schreibe in deren vier! Latein kann ich leider nur lesen, ich lebe ja nicht im Vatikan. Ich bin weder Rassist noch Ausländer-feindlich, gehöre nicht dem rechten Spektrum an und bin, nicht nur berufsbedingt, offen für jegliche Belange. Aber verar....en lasse ich mich nur ungern. Besonders nicht von Leuten, die ich vielleicht sogar gewählt habe! Leider!

jmpg