27. Mai, 2014

Auf nach Utopia / die Vielspachigkeit in Luxemburg

 

Wenn wir schon von den Vorteilen der Vielsprachigkeit reden, so sollte das auch für die Kinder mit Migrationshintergrund gelten. Warum sollen wir uns eigentlich sorgen, wenn Kinder mit lateinbasierten Muttersprachen germanophone Sprachen lernen müssen, und das auch noch in einem germanophonen Land, dessen Kinder ab dem zweiten Schuljahr Französisch lernen müssen, um sich im eigenen Land verständigen zu können? Für uns Luxemburger ist die französische Sprache eine totale Fremdsprache mit der wir im Kindesalter konfrontiert werden, im gleichen Ausmass wie sich die Kinder mit Migrationshintergrund mit der deutschen Sprache auseinandersetzen müssen. Für beide Seiten sehr schwer, aber sicherlich machbar und wünschenswert.
Nun ist es aber einmal so, dass Luxemburg ein germanophones Land ist (seit dem 19. Jahrhundert, als die frankophonen Teile Frankreich und Belgien zugesprochen wurden und der germanophone Teil zum Grossherrzogtum Luxemburg wurde, regiert von einem Holländer) und Luxemburgisch (wie auch Holländisch) eine germanophone Mundart.

Sollen also die Immigranten "Germanisch" lernen oder die Luxemburger "Lateinisch"? Ich hab das so verstanden, dass beide Seiten des jeweils anderen Basis erwerben sollten. Es sollte für einen lusophonen oder frankophonen Schüler nicht schwieriger sein Luxemburgisch respektive Deutsch zu lernen, als für einen Luxemburger Französisch. Wer nach Deutschland immigriert hat Deutsch zu lernen und wer nach China geht sollte zumindest versuchen, Mandarin zu beherrschen.

Das wahre Problem liegt ganz woanders. Es sind vor Allem die Eltern der Schüler, die aus multiplen Gründen weder Luxemburgisch noch Deutsch lernen wollen oder können. Die "ressortissants de la Grande Nation" allerdings halten Fremdsprachen nicht für nötig, wenn es sie selbst betrifft, es reicht ein: "Comment?" und das ominöse "Vous pouvez pas parler français?"
In den portugiesischen Kreisen führt diese Problematik des Nichtwollens oder Nichtkönnens zu regelrechten Abschottungen. Bei der Arbeit und im lusitanischen Lokal wird portugisisch gesprochen. So haben dann die Kinder keine Hilfe von Zuhause zu erwarten und die Lernresultate sind entsprechend. Oder auch nicht, es gibt zahlreiche Ausnahmen.

Luxemburger darf in Sprache und Kultur nicht zurückweichen sondern muss den Zuwanderern helfen, sich sprachlich zu integrieren und dies auch von ihnen verlangen. Nur so wird Europa funktionnieren und von den verschiedenen, noch immer bestehenden Nationalstaten wieder respektiert werde.

Ja, Portugiesisch ist eine Weltsprache und wird in Portugal, Brasilien und noch sonstwo gesprochen. Aber das ist weder in China noch in England noch in Luxemburg sonderlich hilfreich. Und schon gar nicht in Frankreich. Es gibt und gilt in jedem Land eine verankerte Basissprache, es wäre kultureller Irrsinn, diese herunterstufen zu wollen. Die ehrenhaften Vorstellungen, die Sie beschreiben, würden einen Idealfall darstellen, eine wünschenswerte Utopia. Wenn darüber nicht mit einiger Sicherheit, unsere einheimische Basis verloren gehen würde. Die von Ihnen beschriebene Vielsprachigkeit ohne integrierende Basissprache führt zu Menschen, die zwar Notionen von vielen Sprachen besitzen, aber keine dieser Sprachen wirklich beherrschen. Pidgin Englisch, Pidgin Französisch, Pidgin Deutsch und ebensolches Portugiesisch.

Wo bleibt denn eigentlich der Respekt vor dem Aufnahmeland Luxemburg? Kultureller Selbstmord der Gutmenschen aus falsch verstandener Toleranz und unverständlichem Mitleid? Es geht auch nicht um den Respekt vor dem Heimatland und der Muttersprache des Kindes, es geht um den Respekt vor dem Kind, dessen Zukunft in einem fremden Land mit einer fremden Sprache und fremder Kultur liegt. Es geht um Integrationshilfe für Kind und Familie.