4. Jun, 2014

D'Heemecht op Franséisch...?

Französisch gehört nicht zu unserer Identität
Antwort auf Robert Ferry

Um es gleich vorweg zu nehmen, ich beherrsche die "langue de Molière respectivement celle de Brassens" ziemlich gut und bin mir nicht zu schade, Gedichte und Chansons in dieser Sprache zu schreiben. Herr Ferry allerdings treibt die Argumente ins Absurde indem er Beispiele missinterprätiert.
Beispiel "langue véhiculaire". Selbstverständlich ist es ein Vorteil für jeden Erdenbürger, mehrere Sprachen zu beherrschen, vornehmlich die der Nachbarn. Die "langue véhiculaire" sollte dazu dienen, sich zu verständigen, bis die "immigrés...de pays de culture latine" sich unseren Basissprachen angepasst haben. Und die sind nun einmal luxemburgisch und deutsch. In Bayern würde man sagen: bayerisch und deutsch. (Cf mein Leserbrief vom 31. Mai) In vorauseilender Unterwerfung sprechen wir Luxemburger beim Einkaufen bereits automatisch französisch. Was aber tun unsere Kinder im Alter von sieben oder acht Jahren? Glauben Sie, die finden das lustig, nicht verstanden zu werden in ihrem eigenen Land?
Pierre Camy? Dann können Sie sich genauso gut auf Noppenay berufen, der nur mit den Bedientesten Luxemburgisch sprach. Der Artikel von Camy im LW von 1985 (vor 30 Jahren!) schmeckt eher nach einer Ohrfeige. Nein, um zu bleiben was wir sind müssen wir Luxemburger uns Französisch nicht eintätowieren lassen. Die französische Besessenheit ist eine Folge von 2 Weltkriegen. Wären die Franzosen die Bösewichte gewesen, würden wir heute mit Freude das für uns so herrlich leichte Deutsch pflegen.
Herrn Roth wollen Sie wohl absichtlich falsch verstehen. Auch meine Grossmutter war 1910 in Paris im Dienst. Und meine Mutter ging nach 'Tiche zum Tanzen. Das heisst aber mitnichten, dass Französisch zu unserer Identität gehört. Es ist halt die Sprache der Nachbarn. Es ist auch eine schöne Sprache. Aber Luxemburgisch ist ein deutscher Dialekt. Tut mir leid für all die Ewiggestrigen und die Neuluxemburger der 2. Und 3. Generation mit Hintergrund in lateinischen Ländern.
Et, "le désaveu envers la langue française" est peut-être décevant, mais certainement pas sans raison convaincante. Der sehr überzeugende Grund liegt in der unerträglichen Arroganz und Verachtung, die die "ressortissants de la Grande Nation" jedem entgegenbringen, der nicht oder nur schlecht ihre so wunderbare Sprache spricht. Und das, obwohl sie selbst kaum einer Fremdsprache mächtig sind und eine solche auch nicht lernen wollen. Ihre eigene bringen sie meist nur voller Fehler in Rechtschreibung und Grammatik auf's Blatt. Teil unserer Identität? Dass ich nicht lache!
Mir wëlle wirklech bleiwen waat mer sin. Meng Bomi wor Néiesch a sot: Kapp héich, d'Broscht eraus, de Bauch ërann an den A.... géint Frankraïch.
Neïscht fir Ongudd
Jean M.P. Gilbertz
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