24. Aug, 2015

Mehrsprachigkeit oder Französisch?

Péiteng den 22. August 2015

Mehrsprachigkeit oder Französisch?
Überlegungen zum Artikel von Ines Kurschat
Schicksalsfrage Sprache(n) im "Land" vom 21-08-15

Es ist nicht die Mehrsprachigkeit, die den Luxemburgern Probleme bereitet, wie es auch nicht "die Ausländer" sind, sondern der, von selbsternannten Eliten versuchte Putsch, hin zur französischen Einsprachigkeit.

Es sind nicht die Luxemburger, die kein Französisch können oder wollen, es sind die Franzosen, die nur Französisch können und wollen. Irgendwann geht das uns allen auf den Keks! (Sur le biscuit ou sur le gâteau sec? Bitte lachen Sie nicht, ich hab' das schon gehört, als Rache des kultivierten und genervten Luxemburgers.)

Wenn frankophone Schüler, hier im Lande geboren, kein Wort Luxemburgisch verstehen, dann haben sie natürlich Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache! Klar!

Wurden ihnen etwa bis zur Einschulung keine Integrationsmöglichkeiten angeboten? Oder wurden diese von den Eltern ignoriert oder abgelehnt? Mit der Begründung und aus der Überzeugung heraus, Luxemburg sei eh frankophon? Warum sich also anstrengen? Elementare Höflichkeit einem fremden Land gegenüber? Interesse an diesem Land? Integrationsbestreben gar? Fehlanzeige! Sowas von!

Wenn lusophone Schüler, die meistens Luxemburgisch verstehen und auch sprechen, in der Grundschule Probleme mit der deutschen Sprache haben, dann liegt das sicherlich auch an der Unterrichtsart (fehlender oder schlechter Transfer Luxemburgisch-Deutsch, obschon Wortwahl, Syntax und Grammatik überaus ähnlich sind).

Und an der unverschuldet nicht vorhandenen Hilfe vom Elternhaus. Zu diesem Thema höre und lese ich aber seltes etwas Sinnvolles.

Ich bin darüber hinaus der Überzeugung, dass bei einer französischen Alphabetisierung eher noch schlechtere Resultate für eine Integration erziehlt würden und es zu einer völligen Trennung von Gleichaltrigen führen würde.

Die Ähnlichkeiten "lateinischer" Sprachen sind beiweitem nicht so überzeugend, hilfreich und brauchbar, wie sie von den Befürwortern der französischen Alphabetisierung gesehen werden. Dann liegen Luxemburgisch und Deutsch einander wesentlich näher.

So nebenbei würde mit einer solchen Alphabetisierung, angesichts der nicht unproblematischen Demographie, das Ende der luxemburgischen Sprache in Luxemburg einläuten! Ungewollt (?) vielleicht, aber es würde rasend schnell vonstattengehen. Unsere Sprache würde zu einer toten Kuriosität verkümmern, so wie es mit dem Bretonische bereits geschehen ist.

Aber auch: ist der luxemburgische Schüler etwa intelligenter? So intelligent, dass er ohne Probleme zum Bac dieselben Bücher benutzen kann wie die Franzosen in Frankreich? Mitnichten! Es ist eine jahrelange Qual vom Alter von 7 Jahren an bis zur vermeintlichen "Reife" mit 18. und es verlangt Einsatz und Ausdauer. Von der Luxemburgerin und vom Luxemburger! Wenn sie/er denn nicht zufällig über ein frankophones Elternteil verfügt.

Niemand soll deshalb versuchen, ein Land sprachlich zu annektieren, sogar dann nicht, wenn er über so etwas wie "5ème colonnes" und "collaborateurs" verfügt. Bitte schreien Sie jetzt nicht auf vor lauter ungesunder Empörung: ich beschreibe lediglich Tatsachen!

Natürlich liebe ich so manchen Aspekt der französischen Kultur: die Chansons, Brassens, Brel und Guy Béart, die Sprache selbst also, das Land, ich hab' da gelebt, so manche Leute, "literature" und Poesie im Allgemeinen, die Küche selbstverständlich, die Malerei, wollte ich sagen, aber hoppla, da waren die Belgier besser, Verzeihung, die Flamen, und ich mag ja auch die italienische Küche und die deutschen Maler und Philosophen und Goethe, Böll und Heinrich Heine, und dann Ronsard und Montaigne und Houellebecq auf französisch und nicht in deutscher Übersetzung und jetzt müsste auch dem Borniertesten klar sein: es geht darum, die Mehrsprachigkeit zu fördern und nicht ein kulturlos einsprachige frankophone Diktat!
Hach, jetzt hab' ich das perfide Albion vergessen. Hallo Lord Byron!

Wir könnten auch, zumindest europaweit, die Kunstsprache "Esperanto" wiederbeleben und sie für alle zwangseinführen. Das würde aber eh an den Franzosen scheitern...(kleiner Scherz).

War das jetzt ausgewogen genug um Beifall einzuheimsen? Und zu erklären, warum so viele Luxemburger mit Nein gestimmt haben?

Ich hoffe allerdings nie mehr solch stümperhafte "Übersetzungen" lesen zu müssen, wie auf dem angeführen Bild. (Photo Sven Becker im "Land") Wo stammt das eigentlich her?

"Les lions ont été érigés."

"The lions are erected."

"Die Löwen werden aufgestellt"

My Gawd!

Sollte unsere Sprachenvielfalt so aussehen, lerne ich Kisuaheli, Mandarin oder sonst was und wandere aus! Niederländisch/Flämisch, wäre toll, in Knokke!

Jean M.P. Gilbertz